Samstag, 2. Juli 2011

Ein Experiment mit tödlichen Folgen

... ist der plot des Film "The Experiment" (u. a. mit Allen Brody), einem remake des deutschen Films "Das Experiment" (u. a. mit Moritz Bleibtreu).
Zwanzig freiwillige Männer werden für 14 Tage alleine in einem Gefängnis eingeschlossen. Fünf werden von den Experimentatoren als Wärter bestimmt. Zusätzlich gibt es 5Regeln, unter Anderem dass keine Gewalt angewendet werden darf und die Wärter angemessen auf die Situationen reagieren müssen. Der gesamte Gefängniskontrakt steht unter Videoüberwachung. Sollten die Wärter nach einem Vorfall nicht innerhalb von 30 Minuten angemessen reagieren, ist das Experiment beendet. Dies geschieht durch das Aufleuchten einer roten Signallampe.
Was ich im Nachhinein vermisst habe ist die Diskussion der beobachtenden Experimentatoren über den Abbruch des Experiments, nachdem es außer Kontrolle geraten ist. Deshalb ist demnächst noch das deutsche Original fällig, auch wenn die Kritiken ziemlich vernichtend sind. 
Das Ganze beruht auf einer wahren Begebenheit. Das Experiment fand 1971 in Kalifornien statt, und ist auch im Netz unter The BBC Prison Study dokumentiert.
Besonders spannend fand ich das Intro, in welchem dem Zuschauer gezeigt wird, dass sich Menschen und Tiere nur in der Art verwendeten Waffen unterscheiden. Der Film an sich hinterlässt ein sehr mulmiges Gefühl, wenn man sieht, wie Menschen, die ihr Leben lang in eine Rolle gepresst waren, unterdrückt wurden, angebotene Macht an sich reißen. Dadurch dass die Wärter mehr über die Regeln wissen als die Gefangenen entsteht ein Informationsgefälle, welches die Wärter zur Tyrannei und Erniedrigung der Gefangenen nutzen. Allein durch Gewalt ist dieses Ungleichgewicht aufzulösen - an diesem Eindruck kann auch das klägliche Ende nichts ändern. Das Argument im Schlusssatz, dass den Menschen die freie Entscheidung vom Tier unterscheidet, zeugt wieder einmal nur von dem Verrat, den der Autor/Regisseur an seinem eigenen Werk vornimmt um noch den Zuschauer wieder einmal mit einem Alles-wird-gut-Beigeschmack aus dem Film zu entlassen. Die Auflehnung gegen derart ausgeprägte Ungerechtigkeit, Demütigung und Freiheitsberaubung lässt sich nicht mir Argumentation und "auch noch die linke Wange hinhalten" durchsetzen, selbst die Aussicht auf einen Batzen Geld kann die Vormachtstellung nicht brechen. Das ist genau das, was wir mit unserer Evolutionsvorstufe, dem Tier, gemeinsam haben: Der instinkthafte gewaltsame Umsturz.  Selbst mit einem "Bus fährt in den Sonnenuntergang"-Ende würde sich der Kreis zum Intro schließen, so bleibt der Film nur als unvollständige aber beeindruckende Bildersammlung im DVD-Regal stehen. Eine Bildersammlung jedoch, die packend abgespielt wird und dem Zuschauer das Gefühl gibt mittendrin zu sein.
Btw sollten wir uns den Umbruch aber zum jetzigen Zeitpunkt gerade in Deutschland nicht leisten, da die vom Menschen entwickelte Vorschrift zur Bildung demokratischer Institutionen, unser Wahlrecht, gerade nicht existiert. Und auch der neue Vorschlag, der laut BverfG innerhalb von 3 (in Worten: DREI) Jahren zum 30.06.2011 hätte in Kraft treten sollen, wäre immer noch ungültig. Das haben uns die Tiere also sogar voraus: Regeln für das Bilden einer neuen Führung. Das ist entweder die Erbfolge oder das Recht des Stärkeren - beides jedoch eine eindeutige, unumgehbare Sache.
Wer diesen Film mag, könnte auch folgendes mögen: Die Cube-Triologie (nur in der Reihenfolge schauen: Cube, Cube^2:Hypercube, Cube Zero). Filmvorschläge eurerseits sind herzlich willkommen.

Ein Experiment mit tödlichen Folgen

... ist der plot des Film "The Experiment" (u. a. mit Allen Brody), einem remake des deutschen Films "Das Experiment" (u. a. mit Moritz Bleibtreu).
Zwanzig freiwillige Männer werden für 14 Tage alleine in einem Gefängnis eingeschlossen. Fünf werden von den Experimentatoren als Wärter bestimmt. Zusätzlich gibt es 5Regeln, unter Anderem dass keine Gewalt angewendet werden darf und die Wärter angemessen auf die Situationen reagieren müssen. Der gesamte Gefängniskontrakt steht unter Videoüberwachung. Sollten die Wärter nach einem Vorfall nicht innerhalb von 30 Minuten angemessen reagieren, ist das Experiment beendet. Dies geschieht durch das Aufleuchten einer roten Signallampe.
Was ich im Nachhinein vermisst habe ist die Diskussion der beobachtenden Experimentatoren über den Abbruch des Experiments, nachdem es außer Kontrolle geraten ist. Deshalb ist demnächst noch das deutsche Original fällig, auch wenn die Kritiken ziemlich vernichtend sind. 
Das Ganze beruht auf einer wahren Begebenheit. Das Experiment fand 1971 in Kalifornien statt, und ist auch im Netz unter The BBC Prison Study dokumentiert.
Besonders spannend fand ich das Intro, in welchem dem Zuschauer gezeigt wird, dass sich Menschen und Tiere nur in der Art verwendeten Waffen unterscheiden. Der Film an sich hinterlässt ein sehr mulmiges Gefühl, wenn man sieht, wie Menschen, die ihr Leben lang in eine Rolle gepresst waren, unterdrückt wurden, angebotene Macht an sich reißen. Dadurch dass die Wärter mehr über die Regeln wissen als die Gefangenen entsteht ein Informationsgefälle, welches die Wärter zur Tyrannei und Erniedrigung der Gefangenen nutzen. Allein durch Gewalt ist dieses Ungleichgewicht aufzulösen - an diesem Eindruck kann auch das klägliche Ende nichts ändern. Das Argument im Schlusssatz, dass den Menschen die freie Entscheidung vom Tier unterscheidet, zeugt wieder einmal nur von dem Verrat, den der Autor/Regisseur an seinem eigenen Werk vornimmt um noch den Zuschauer wieder einmal mit einem Alles-wird-gut-Beigeschmack aus dem Film zu entlassen. Die Auflehnung gegen derart ausgeprägte Ungerechtigkeit, Demütigung und Freiheitsberaubung lässt sich nicht mir Argumentation und "auch noch die linke Wange hinhalten" durchsetzen. Das ist genau das, was wir mit unserer Evolutionsvorstufe, dem Tier, gemeinsam haben: Der instinkthafte gewaltsame Umsturz.  Selbst mit einem "Bus fährt in den Sonnenuntergang"-Ende würde sich der Kreis zum Intro schließen, so bleibt der Film nur als unvollständige aber beeindruckende Bildersammlung im DVD-Regal stehen. Eine Bildersammlung jedoch, die packend abgespielt wird und dem Zuschauer das Gefühl gibt mittendrin zu sein.
Btw sollten wir uns den Umbruch aber zum jetzigen Zeitpunkt gerade in Deutschland nicht leisten, da die vom Menschen entwickelte Vorschrift zur Bildung demokratischer Institutionen, unser Wahlrecht, gerade nicht existiert. Und auch der neue Vorschlag, der laut BverfG innerhalb von 3 (in Worten: DREI) Jahren zum 30.06.2011 hätte in Kraft treten sollen, wäre immer noch ungültig. Das haben uns die Tiere also sogar voraus: Regeln für das Bilden einer neuen Führung. Das ist entweder die Erbfolge oder das Recht des Stärkeren - beides jedoch eine eindeutige, unumgehbare Sache.
Wer diesen Film mag, könnte auch folgendes mögen: Die Cube-Triologie (nur in der Reihenfolge schauen: Cube, Cube^2:Hypercube, Cube Zero). Filmvorschläge eurerseits sind herzlich willkommen.

Freitag, 1. Juli 2011

Das Glücksprinzip...

Da mein Tag in der Regel nicht vor 13:00 anfängt habe ich Zeit auch nachts mal durch das TV-Programm zu zappen. Nach ein paar Minuten Maybrit Illner, und der Entscheidung, statt Markus Lanz lieber die Tagesthemen zu konsumieren, bin ich beim Film "Das Glücksprinzip" hängn geblieben. Der Film ist von Mimi Leder und mit Kevin Spacey, Helen Hunt und Haley Joel Osment in den Hauptrollen. Letzterer ist mir aus A. I. - künstliche Intelligenz in Erinnerung geblieben. Seine Fähigkeit fast ohne jegliche Gesichtsregung oder Mimik glaubwürdig eine Figur zu spielen finde ich sehr beeindruckend.
Die Idee des Films ist schnell erklärt: Trevor, ein 7-jähriger Junge der alleine mit seiner Mutter lebt, bekommt zu beginn des Schuljahres die Hausaufgabe, sich etwas zu überlegen was die Welt besser machen kann. Seine Idee: Tue drei Menschen etwas Gutes, es darf für dich nicht einfach sein, und du darfst keine Belohnung/Bezahlung dafür bekommen. Statt dessen muss diejenige Person drei anderen Menschen etwas Gutes tun - das Gute quasi weitergeben.
Die vielen unverhofften Ereignisse im Film und die überzeugenden Darsteller ließen die zwei Stunden wie im Fluge vergehen - was auch daran liegen mag, dass man wunderbar die Gedanken schweifen lassen kann ohne die Handlung oder Stimmungen des Films zu verpassen. Als alles auf ein Happy End hinaus lief kam mir der Gedanke, wie viele (Liebes-) filme es wohl ohne Happy End gibt. Film No. 1 habe ich gerade geschaut - auch wenn dies sicher Ansichtssache ist. Das anscheinend unvermeidliche Gedusel am Ende trägt in meinen Augen jedenfalls nicht dazu bei, dass sich die Idee der Weltverbesserung mittels Schneeballsystem auch im realen Leben durchsetzen wird. Es führt vielmehr dazu, dass die übertriebene Darstellung des Erfolgs der Idee von Trevor ins Lächerliche gezogen, wenn nicht sogar völlig relativiert wird. Ein weniger tragisches Ende, das Nicht-wieder-Zusammenziehen von Ihr und Ihm oder auch den schon x-mal wieder rückfällig gewordenen Junky einfach auch ein x+1-tes Mal wieder rückfällig werden zu lassen, hätte gut als Symbol für das uns täglich begleitende Scheitern im Leben stehen können. Schreibt mir doch bitte mal in die comments Filme, die in Euren Augen kein Happy End haben.
Btw - Wo ich gerade die gesammelten tags meines blogs sehe, fällt mir auf, dass ich mal zwei Alben von Windmill gekauft habe. "Tokyo Moon" ist das passende Lied zum kurz bevor stehenden Sonnenaufgang ^^

Samstag, 18. Juni 2011

Source Code - Der Film

 --- spoiler Alert ---
Oh man - schon wieder eine Verschwendung von anderthalb Stunden Lebenszeit die ich in die ersten Folgen der dritten Staffel von United States of Tara hätte investieren können. 
Die Idee, einen Mann im Körper eines Passagiers zurück in den Zug zu schicken, genau 8 Minuten bevor er durch einen terroristischen Anschlag explodiert, klang für mich sehr verlockend, zumal ich im letzten Jahr von Duncan Jones' Filmdebüt Moon sehr begeistert war.
Der Film verdient nicht einmal ansatzweise das Label "Science Fiction". Selbst für einen rein fiktionalen Film ist die Umsetzung der Idee zu schwach. Die Theorie, dass sich das Bild, welches der Verstorbene als letztes gesehen hat, auf seiner Netzhaut "einbrennt", ist unter dem Stichwort Optographie zu finden. Im letzten Jahr gab es auf der ehemaligen Nachrichtenseite Spiegel Online einen interessanten Artikel zur Geschichte und wissenschaftlichen Nachweisbarkeit dieses Phänomens. Das Ganze weiter zu spinnen und aus den zerfetzten Retinas der Toten eine virtuelle Realität zu zaubern ist eine unverhoffte Erkenntnis, die erst im Laufe des Films dem Zuschauer offenbart wird. Der Vogel wird aber vollends abgeschossen, als tatsächlich eine SMS von der Unrealität in die Realität geschickt wird. Diese unlogische Handlung herbei zu zaubern um das Hollywood-Klischee "Happy End" und "Liebe siegt über alles" zu bedienen zeugt in meinen Augen von der Verzweiflung des Autors, dem Film einen Sinn und vermeintlich geschlossenen Rahmen und somit auch eine Daseinsberechtigung zu geben.
Mission accomplished würd ich sagen - und zwar im Bush'schen Sinne:
http://www.commondreams.org/headlines03/images/1030-02.jpg

Ein positives Beispiel für richtig gut inszeniertes Science Fiction ist die Thematisierung der Dyson-Sphäre in der vor kurzem erneut auf Tele5 ausgestrahlten Folge von Star Trek - Das nächste Jahrhundert (s06e04).

In diesem Sinne - postet in den comments was ihr von dem Film haltet und welchen es sich lohnt in Zukunft mal zu schauen.

Montag, 13. Juni 2011

Houellebecq ist weich geworden

Diesen Eindruck hatte ich beim Lesen seines neuen Romans "Karte und Gebiet". 
Die seicht dahin plänkelnde Geschichte eines Künstlers der sich von einer Profession zur nächsten hangelt und als Sprungbrett genutzt wird um gegen Ende des Romans die zwei versprochenen Morde zu präsentieren scheint nicht vom Meister des verbalen Blutgrätschens geschrieben worden zu sein.
Erst auf den letzten fünfzig Seiten bringt Houellebecq seine gesamte Wortgewaltigkeit und beschreibende Darstellungskraft wirklich zu Papier und lässt mich als großem Fan seiner Romane und Gedichte über dem Boden schwebend zurück - nicht wissend ob ich beim Blick nach unten feststelle, dass ich mich nur zehn Zentimeter über dem Boden befinde und sanft aufkommen oder nach einem Fall aus dreiundzwanzig Kilometern Höhe als Haifischhusten im Meer versinken werde. 
Die Darstellung der Personen, die Beschreibung ihrer Lebensumstände und Handlungen im Frankreich des Ausklingenden ersten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts grenzt schon fast an die Szenerie eines Heimatfilms. An jeder Ecke finden sich kleine Wehwehchen der Akteure, die diese jedoch mit Eleganz und Standhaftigkeit (er-)tragen.Als Houellebecq dann auch noch mit einer Lobhudelei auf die Standhaftigkeit und Robustheit der französischen Wirtschaft und die großartige Krisenfestigkeit des Tourismus abschließt, fange ich an zu überlegen, was mich dazu gebracht hat, fast 10% meines staatlich genehmigten Geldes "zur Sicherung des Lebensunterhaltes" für diesen Schinken auszugeben. Doch nachdem die vermeintlich letzte Seite gelesen war, musste ich feststellen, dass ein Buch erst ausgelesen ist, wenn man auch den Epilog durchgeblättert hat.
Diese besagten 50 Seiten haben die ganze Geschichte in das wundervolle Licht der Erkenntnis gerückt. Die Verschwendungssucht und Dekadentheit des Künstlers wird ebenso bildreich im Zeitraffer dargestellt wie die Auflösung der Motivation zum Betreiben der Fotografie. Die fantastische Beschreibung der Vergänglichkeit von Bilde, von Besitzständen - ja selbst der Natur - könnte keine BBC-N24-Kabel1-Weltuntergangs"dokumentation" besser wiedergeben als der Film, der sich beim Lesen in meinem Kopf abgespielt hat. 
Und selbst wenn die Zeit beim Lesen der prä-Epilog-Seiten mal etwas langsamer verging, konnte ich mir doch gewiss sein, sehr schnell wieder aufzuschrecken und mir meiner lesenden Tätigkeit bewusst zu werden: Literaturexperten werden wahrscheinlich die bewusste Verwendung eines stilistischen Mittels reininterpretieren, Studenten der Medienwissenschaften vielleicht ein geschickt eingesetztes product placement wittern, Wissenschaftler des relativ neuen Zweiges neuroeconomics würden mir gerne mit Marketingfritzen zusammen beim Lesen der Worte: "Der Autor von Elementarteilchen erwiderte...", "Der Autor des Buches Plattform sah ...", "Der Autor von Elementarteilchen ging ..." in den Kopf  schauen. Es ist spannend zu erfahren, wie sich der Autor in seinem eigenen Roman selber als Autor und Menschen beschreibt. Aber auf jeder zweiten Seite auf seine Bücher hingewiesen zu werden statt ein entsprechendes Synonym wie den Namen vorzufinden hat mich echt auf die Palme gebracht.

Nachdem ich am Pfingstsonntag meinen Stapel der ungelesenen Bücher beim Bücherbummel auf der Kö in Düsseldorf um weitere 8 Exemplare erweitert habe werde ich mich jetzt Richard Dawkins' "Der blinde Uhrmacher" zuwenden. Ich kann mir vorstellen dass dazu die Doppel-LP "50 Jahre Don Kosaken Chor" ganz gut klingt - die war für 4€ ein echtes "Wie Neu"-Schnäppchen auf dem Bücherbummel. (-:

Zunächst wird der Abend aber mit einer Folge von United States of Tara ausklingen. Eine Serie, die mich ob der tragisch verzweifelten, zum Teil komischen Charaktere, zur Zeit selbige genauso vergessen lässt, wie das wieder entdeckte In Treatment mit einem überragenden Gabriel Byrne. Um die abgewandelten Worte von Lars von Trier zu verwenden: Ich kann mich in die Menschen echt rein versetzen und sie verstehen.

Montag, 30. Mai 2011

Ein Abend mit Lars von Trier

Jetzt wo ich etwas freie Zeit habe kann ich mich in aller Ruhe und je nach Muße ein paar interessanten Projekten widmen. So habe ich meine Houellebecq-Bibliothek mit seinem neusten Werk vervollständigt. Und da mir nach einem Woody Allen-Film nicht der Sinn stand (auch ein Projekt ;-) ), The Cleveland Show schon die ganzen letzten Tage lief, habe ich Lars von Triers Dogville ausgepackt. Nachdem ich im letzten Jahr seinen Film Antichrist geschaut hatte waren die Erwartungen an den Drehbuch schreibenden und Regie führenden von Trier sehr hoch. Und den Glenfiddich habe ich mir zum Abspann gegönnt um den Sturz von der Höhe des Spannungsbogens zurück auf den Boden etwas abzumildern.
Von Trier versteht es auf eine einmalige Art und Weise Erzählung, Dialoge und wundervoll einfühlsame Musik miteinander zu einem bezaubernden Kunstwerk zu verknüpfen. Kein Film hat es bisher geschafft bei mir ein Verlangen nach sterbenden Menschen auszulösen. Ich kann es schwer in Worte fassen wie sich mein Ekel vor dieser verbitterten Dorfgemeinschaftgesellschaft von Kapitel zu Kapitel gesteigert hat. Das nüchterne Bühnenbild, die klare Struktur mit punktgenauen Kapitelüberschriften und die Unfähigkeit von Grace, sich wenigstens ansatzweise verbal zur Wehr zu setzen, haben sämtliche anfangs aufkommende Mitleidsgefühle im Keim erstickt.
Im Gegensatz zu seinem Film Antichrist, wirken hier Triebe durch den Verzicht auf voyeuristisch gefilmte Gewaltszenen und bis zum Exzess ausgeschlachtete sexuelle Praktiken, als rein menschlich und in der gesamten Gesellschaft verbreitet dargestellt. Und weder die Hingabe zur Natur noch das Beschäftigen mit Philosophie und Logik schaffen es, dass wir uns von einem Hund mehr als nur durch den aufrechten Gang unterscheiden. Es ist jederzeit möglich in den Herdentrieb zu verfallen und Schwächere zu unterdrücken, zu terrorisieren und auszubeuten - alles unter dem Deckmantel der Legitimisierung durch die Gruppe. Wer mitfühlend und vergebungsbereit ist und ehrlich mit seinen Schwächen umgeht, kann jedoch schnell aus der Gruppe ausgeschlossen werden - das in jedem von uns steckende Verlangen nach Zugehörigkeit und Anerkennung führt dann in eine sich immer schneller drehende Spirale aus Gleichgültigkeit, Mitleid und Hilflosigkeit und scließlich dazu, dass sich von der Herde ausgestoßene Tiere zu einem neuen Zweckbündnis zusammenschließen, um die Herde von ihrem schmachvollen Dasein zu erlösen und "die Welt etwas besser zu machen".
Ich sehe gerade, dass auf der DVD noch Extras zu "Gedanken - Ideen - Ispirationen von Lars von Trier" drauf sind. Die werde ich mir noch durchlesen um mein Verlangen auf seinen nächsten Film auf fundierte Füße zu stellen und einen tieferen Einblick in die Denke des Drehbuchautors zu bekommen.

Montag, 27. September 2010

Straßenbahnfahren in Magdeburg

Den ganzen Tag habe ich jetzt schon den Vorsatz  mal wieder zu bloggen und was zu meiner letzten Nacht zu schreiben:


Ein Auszug aus meiner Twitter-Timeline von letzter Nacht

Was war passiert? Kurz nach Mitternacht bin ich zusammen mit 3 Jungs und einem Mädel von der Mittagstraße über den Damaschke Platz zur Feuerwache am Ambrosiusplatz gefahren. Wir haben im hinteren Drittel der Niederflurbahn gesessen und haben unser Weg-Bier genossen. Zwei Reihen weiter saßen zwei gut gekleidete Schwarzafrikaner, die sich gelegentlich unterhalten haben (ich tippe mal auf Französisch). Am Neustädter Bahnhof sind dann ca. 20 (ca. 1/3 Frauen) standesgemäß gekleidete Rechte grölend, und schwankend hinten in die Bahn eingestiegen. Nachdem sich ein kleiner Teil hinter uns gesetzt hatte, haben sich die Restlichen vor uns stehend und sitzend platziert und sofort angefangen aus ihrem Standardwerk zu rezitieren: Von "geht doch wieder zurück in euer Land arbeiten und schlaucht euch hier nicht bei uns durch" bis hin zu "Ihr könnt ja nichtmal richtig deutsch" war aus jedem Kapitel was dabei. Untermalt wurde das Ganze von gegrölten rechtsradikalen Deutschlandbelobigungsliedern. Nach 2 oder 3 Haltestellen sind 3 Securities und zwei nicht weniger gestählte Fahrkartenkontrolleure eingestiegen und haben sich langsam durch die Bahn nach hinten gearbeitet und im hinteren Teil entgegen ihrer sonstigen Arbeitsweise nur stichprobenartig kontrolliert. Außer in unserer Gruppe, da haben sie jeden Studentenausweis peinlich genau durchgelesen. Nachdem sie dann doch einen ungültigen Ausweis gefunden hatten wurden die Personalien aufgenommen und beim nächsten Halt gab es ein dezentes Kopfnicken von einem der Kontrolleure und schwupps waren sie genauso still verschwunden wie sie gekommen waren. Die Beleidigungen gingen derweil natürlich munter weiter.

Wenn man schon so kleinlich ist, dass ein abgelaufener Studentenausweis in Verbindung mit einer gültigen Immatrikulationsbescheinigung als Schwarzfahren gilt, sollte man wohl auch §3 Absatz 1 der MVB-Beförderungsbedingungen anwenden:
§ 3 Von der Beförderung ausgeschlossene Personen
(1) Personen, die eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen, sind von der Beförderung ausgeschlossen. Soweit diese Voraussetzungen vorliegen, sind insbesondere ausgeschlossen:
1. Personen, die sich auffällig verhalten und andere Fahrgäste belästigen,
...
5. Personen, die Gewaltbereitschaft zeigen bzw. Gewalt ausüben,
Freunde von mir wurden von der Security auch schon wegen einer offenen Bierflasche aus der Bahn geworfen ($4 Absatz 2.9). Da kann man bei 3 Tatbeständen auch aufhören mit Hühneraugen zudrücken,

Was soll man in so einer Situation als Schmalhans in 4-facher Ausführung machen? Anmachsprüche hatte ich für den Haufen genügend im Kopf - zum Glück war der Alkoholspiegel so gering dass ich meine Klappe halten konnte. Sie waren zwar hart davor handgreiflich zu werden, haben es aber bei penetranter, lautstarker Belästigung belassen. Ich weiß nicht ob ich als Ausländer nicht nach der 1. Station ausgestiegen wäre.
Mit dem Spruch "Hier, habt ihr was zum Pfand abgeben" wurde den beiden Afrikanern ein leeres Trinkglas angeboten. Lächelnd haben sie abgelehnt, woraufhin es ihnen vor die Füße geworfen wurde. Am City-Carree sind die beiden dann ausgestiegen und haben, nachdem die Bahn losgefahren war, nochmal nett hinterhergewunken. Am Dammi sind wir dann zusammen mit den Nazis ausgestiegen und zum Glück auf unterschiedlichen Linien weitergefahren.
§ 4 Verhalten der Fahrgäste
(2) Fahrgästen ist insbesondere untersagt:
...
10. Verkehrsmittel oder Betriebsanlagen zu beschädigen, zu beschmutzen oder zu beschmieren,
..
(10) In verschiedenen Fahrzeugen sind Kameras zur Beobachtung des Fahrgastraumes installiert. Die Anlagen dienen zur Identifikation von Straftätern und gewährleisten die allgemeine Sicherheit der Fahrgäste. Die Datenschutzregularien zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte werden dabei berücksichtigt. 

Wenn die Fahrgäste schon standardmäßig gefilmt werden, wurden die Aufzeichnungen dann auch schonmal verwendet? Mir ist kein Fall bekannt - hat jemand andere Infos?