Montag, 13. Juni 2011

Houellebecq ist weich geworden

Diesen Eindruck hatte ich beim Lesen seines neuen Romans "Karte und Gebiet". 
Die seicht dahin plänkelnde Geschichte eines Künstlers der sich von einer Profession zur nächsten hangelt und als Sprungbrett genutzt wird um gegen Ende des Romans die zwei versprochenen Morde zu präsentieren scheint nicht vom Meister des verbalen Blutgrätschens geschrieben worden zu sein.
Erst auf den letzten fünfzig Seiten bringt Houellebecq seine gesamte Wortgewaltigkeit und beschreibende Darstellungskraft wirklich zu Papier und lässt mich als großem Fan seiner Romane und Gedichte über dem Boden schwebend zurück - nicht wissend ob ich beim Blick nach unten feststelle, dass ich mich nur zehn Zentimeter über dem Boden befinde und sanft aufkommen oder nach einem Fall aus dreiundzwanzig Kilometern Höhe als Haifischhusten im Meer versinken werde. 
Die Darstellung der Personen, die Beschreibung ihrer Lebensumstände und Handlungen im Frankreich des Ausklingenden ersten Jahrzehnts des einundzwanzigsten Jahrhunderts grenzt schon fast an die Szenerie eines Heimatfilms. An jeder Ecke finden sich kleine Wehwehchen der Akteure, die diese jedoch mit Eleganz und Standhaftigkeit (er-)tragen.Als Houellebecq dann auch noch mit einer Lobhudelei auf die Standhaftigkeit und Robustheit der französischen Wirtschaft und die großartige Krisenfestigkeit des Tourismus abschließt, fange ich an zu überlegen, was mich dazu gebracht hat, fast 10% meines staatlich genehmigten Geldes "zur Sicherung des Lebensunterhaltes" für diesen Schinken auszugeben. Doch nachdem die vermeintlich letzte Seite gelesen war, musste ich feststellen, dass ein Buch erst ausgelesen ist, wenn man auch den Epilog durchgeblättert hat.
Diese besagten 50 Seiten haben die ganze Geschichte in das wundervolle Licht der Erkenntnis gerückt. Die Verschwendungssucht und Dekadentheit des Künstlers wird ebenso bildreich im Zeitraffer dargestellt wie die Auflösung der Motivation zum Betreiben der Fotografie. Die fantastische Beschreibung der Vergänglichkeit von Bilde, von Besitzständen - ja selbst der Natur - könnte keine BBC-N24-Kabel1-Weltuntergangs"dokumentation" besser wiedergeben als der Film, der sich beim Lesen in meinem Kopf abgespielt hat. 
Und selbst wenn die Zeit beim Lesen der prä-Epilog-Seiten mal etwas langsamer verging, konnte ich mir doch gewiss sein, sehr schnell wieder aufzuschrecken und mir meiner lesenden Tätigkeit bewusst zu werden: Literaturexperten werden wahrscheinlich die bewusste Verwendung eines stilistischen Mittels reininterpretieren, Studenten der Medienwissenschaften vielleicht ein geschickt eingesetztes product placement wittern, Wissenschaftler des relativ neuen Zweiges neuroeconomics würden mir gerne mit Marketingfritzen zusammen beim Lesen der Worte: "Der Autor von Elementarteilchen erwiderte...", "Der Autor des Buches Plattform sah ...", "Der Autor von Elementarteilchen ging ..." in den Kopf  schauen. Es ist spannend zu erfahren, wie sich der Autor in seinem eigenen Roman selber als Autor und Menschen beschreibt. Aber auf jeder zweiten Seite auf seine Bücher hingewiesen zu werden statt ein entsprechendes Synonym wie den Namen vorzufinden hat mich echt auf die Palme gebracht.

Nachdem ich am Pfingstsonntag meinen Stapel der ungelesenen Bücher beim Bücherbummel auf der Kö in Düsseldorf um weitere 8 Exemplare erweitert habe werde ich mich jetzt Richard Dawkins' "Der blinde Uhrmacher" zuwenden. Ich kann mir vorstellen dass dazu die Doppel-LP "50 Jahre Don Kosaken Chor" ganz gut klingt - die war für 4€ ein echtes "Wie Neu"-Schnäppchen auf dem Bücherbummel. (-:

Zunächst wird der Abend aber mit einer Folge von United States of Tara ausklingen. Eine Serie, die mich ob der tragisch verzweifelten, zum Teil komischen Charaktere, zur Zeit selbige genauso vergessen lässt, wie das wieder entdeckte In Treatment mit einem überragenden Gabriel Byrne. Um die abgewandelten Worte von Lars von Trier zu verwenden: Ich kann mich in die Menschen echt rein versetzen und sie verstehen.

Mittwoch, 23. September 2009

Mein Tag - lang aber erfolgreich

Alles fing wohl damit an dass ich gestern abend die Baracke-Party abgesagt habe um heute früh fit für die Arbeit zu sein. Ich hatte den Wecker gerade das 3. Mal auf repeat gedrückt, da klingelte das Handy mit einer unbekannten berliner Nummer. Ein netter E-Plus-Mitarbeiter war dran. er woltle sich nochmal mit mir über meine fristgerechte Kündigung unterhalten. Eine 8-jährige Kundenbeziehung scheint heute wohl doch noch was wert zu sein. Sein Angebot war, mir für die nächsten 24 Monate auf meinen bestehenden Tarif 85% Rabatt, in Form von monatlichen Gutschriften, zu geben. Das macht also pro monat 1,50€ für 100 Freiminuten + 120 Frei-SMS jeweils in alle Netze. Perfekter deal wie ich finde. Die Belohnugn für das normale Vertragsverlängern hätte bei 100€ gelegen - so spare ich über die 2 Jahre hinweg ganze 204€. Feine Sache :D
Der Tag ging dann auch gleich so weiter. Im Labor hab ich meine E-Mails gelesen und hatte einen Gutscheincode für 10€ Rabatt auf meine nächste Bahnfahrt. So komme ich mit meiner BC50 fast umsonst nach Potsdam um meinen hoffentlich in der nächsten Woche das Licht der Welt erblickenden Neffen besuchen zu können. *freu*
Nach erfolgreicher Literaturrecherche im Labor, einem Döner, einem informativen Telefonat mit meinem Chef ging es statt ans paper lesen mit Ocean in CSS durch 3 maps. Anschließend dann ab in die Lotto-Annahmestelle und einen Schein ausfüllen. Meinen mit viel Liebe ausgefüllten Systemschein musste ich leider zerreißen, weil - wie der Name schon sagt - dieser nur für Systemtipps zulässig ist. Von meinen 6 Tipps (für insgesamt 5€) war sogar einer mit 3 Richtigen dabei. Es hat sich also gelohnt einfach blind drauf los zu kreuzen *hihi*
Als ich dann noch eine Idee hatte wie ich das von meinem Chef erdachte EEG-Experiment implementieren könnte, und sich das auch noch als cleverer und funktionaler Schachzug herausgestellt hat, war der Tag vollends gerettet *strahl* Da konnten dann die mehr schlecht als recht laufenden maps eben zum Feierabend auch nichts mehr dran ändern.
Ich bin dann mal gespannt ob morgen der riesen Absturz kommt ;-)
Zum Schluss noch ein geni(t)ales Bild (via geekux):